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Wie man Kinderbilder nicht betrachten soll


Und was hast du hier gemalt?« Mit dieser Frage überrumpelt der Erwachsene
das Kind, das sich an seinen bunten Spuren auf dem Papier erfreut.
»Das Auto ist dir aber toll gelungen!« So deutet und beurteilt er sein Bild.
»Na, wie sieht denn der Schornstein aus, der fällt ja gleich vom Haus runter.«
So versucht er es zu belehren.
Die Folgen: Das Kind malt, was der Erwachsene sehen will, es gerät
in Abhängigkeit von seinem Lob oder verliert die Lust am Spiel mit Farben
und Formen oft gleich ganz. Anders im Malort von Arno Stern, einem Raum
der Geborgenheit, in dem sich Kinder frei von Erwartungen erleben.
Dort fiel Stern auf, dass alle – ist der kunsterzieherische Ballast erst abgeworfen – ganz ähnliche Figuren malen: Ein bildnerisches Gefüge zeigt sich, das wie das Erproben des aufrechten Ganges programmiert und allen Menschen gemein ist.


Erinnerungen an die Zeit vor unserer Geburt lassen sich so ausdrücken –
und wer dergestalt zu seinen verlorenen Anfängen zurückkehren kann, der erstarkt daran.
Arno Sterns Erkenntnisse treffen sich heute mit denen der Epigenetik, Hirnforschung und Embryologie.
In seinem Buch zeigt er eindrücklich illustriert, wie Kinder malen, wenn man sie denn lässt –
und was das in ihnen auslöst.

ZABERT SANDMANN VERLAG


Arno Stern, geboren 1924 in Kassel, emigrierte 1933 mit seinen Eltern nach Frankreich.
Nach seiner Begegnung mit Kindern in einem Heim für Kriegswaisen gründete er
in den 1950ern den ersten Malort, der noch heute in Paris besteht.
Mehrere Reisen in die Wüste, den Urwald und den Busch bestätigten die universale Gültigkeit seiner Forschung.
Arno Stern wurde als UNESCO-Experte zum 1. internationalen Kongress für Kunsterziehung delegiert,
hält regelmäßig Vorträge und Seminare und betreibt in Paris neben dem Malort
das »Institut für die Erforschung der Ausdruckssemiologie«.